Desktop-Publishing und
Elektronischer Satz


Prinzipien der Gestaltung


Das Erstellen lesbarer Publikationen ist viel schwieriger, als uns das WYSIWYG-Programme suggerieren. An erster Stelle sollte nämlich immer die Lesbarkeit stehen. Persönliche ästhetische Vorlieben, ausgefallene Layouts, in sich verschachtelte Schriften und die exzessive Verwendung von Farben mag dort seine Berechtigung haben, wo es darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen, in einem "seriösen" Druckwerk, das vor allem Information vermitteln soll, haben solche Dinge nichts verloren. Die hohe Kunst des Setzens ist nämlich die, ein Druckwerk möglichst leicht lesbar zu machen.

Seit der Erfindung des Buchdrucks sind mehr als 500 Jahre vergangen, in der sich das Wissen der Setzer ständig weiterentwickelt hat (wenngleich aus sie dieses Wissen aus ökonomischen Gründen nicht immer anwenden durften). Doch schon vor Gutenberg war das Wissen um ein "schön" d.h. lesbar gemachtes Buch auf einem hohen Niveau. Nicht zuletzt weil die ersten Drucker auf dieses Wissen aufbauen konnten, gehören Inkunabeln zu den schönsten und wertvollsten Büchern die wir haben.

Eines der wichtigsten Gebote beim Setzen lautet "Schlichtheit". Und gerade diese Schlichtheit steht oft im Gegensatz zu den vielen Möglichkeiten, die ein DDP-Programm bietet. Deshalb hier einige grundlegende Regeln, die Sie bei der Verfassung ihrer Druckwerke (wozu ich auch Seminararbeiten zähle) beachten sollten.

  1. Freiräume
  2. Zeichen und Wortabstände
  3. Schriftarten
  4. Gliederung der Textblöcke
  5. Plazierung von Abbildungen
  6. Verwendung grafischer Elemente
  7. Einige letzte Details



1. Freiräume

Nicht nur die bedruckte Fläche wirkt, sondern auch der Raum, der sie umgibt. Ein ungenügender Satzspiegelrand/Spaltenabstand läßt die Informationen zu dicht und gedrängt erscheinen und erschwert das Lesen; größere Weißflächen verstärken den Eindruck der Textfläche.

Der Seitenaufbau darf nicht zu gleichmäßig und damit statisch und langweilig erscheinen. Eine gute Möglichkeit bieten hier Überschriften, Absätze und nicht zuletzt Abbildungen. Aber Achtung: alle diese Dinge sollten mit dem eigentlichen Text eine Einheit darstellen.

Zu wenig Raum vor und hinter den Überschriften verringert den Blickfang und damit die Wirksamkeit; der Freiraum vor einer Überschrift sollte immer etwas größer sein, als der nach ihr. Auch der Abstand zwischen den Zeilen gehört hierher. Wird dieser Abstand zu groß oder zu klein gewählt, wird die Lesbarkeit des Textes massiv beeinträchtigt. DDP-Programme haben meist einen automatischen Abstand-Modus (z.B. 120% des Schriftgrads oder etwas mehr), den Sie auch nicht unbegründet verändern sollten.


2. Wort- und Zeichenabstände

Je größer die Zeichen einer Schrift sind, desto wichtiger ist es, auf die Zwischenräume zu achten. Häßliche Lücken, die bei schlechten Programmen oft Folge des Blocksatzes sind, sind genauso schlecht, wie zu kleine Abstände, die den Text gedrängt wirken lassen.

Dasselbe gilt für die Abstände nebeneinander stehender Buchstaben. Normalerweise sollte man auch hier die Voreinstellungen des jeweiligen Programms belassen, da diese Dinge in der Regel von erfahrenen Typographen eingestellt wurden. Ein wirklich gutes Satzprogramm erkennt man dadurch, daß es zum Beispiel auch Ligaturen kennt. (Und nach Möglichkeit selbst erkennt, wo Ligaturen angebracht und wo sie nicht angebracht sind - aber das ist wohl etwas zuviel verlangt.)


3. Schriftarten

Die fast unübersehbare Fülle von Schriften verleitet dazu, zu viele verschiedene Schriften in einem Dokument zu verwenden. Dadurch verringern sich Übersichtlichkeit und Klarheit. In vielen Fällen genügt es vollkommen, zwei oder maximal drei verschiedene Schriften einzusetzen, beispielsweise für den Fließtext eine Serifenschrift (Roman) und für die Überschriften eine Groteskschrift (Helvetica, Arial). Für hervorgehobene Zitate kann noch eine Zierschrift dazukommen. Eine Variationsmöglichkeit innerhalb einer Schriftart ergibt sich durch Schriftgröße und Schriftschnitt.

Bei mehrstufig gegliederten Texten sollte auch die Schiftgröße bereits die Hierarchie erkennen lassen und so das Zurechtfinden im Text unterstützen.

Sehr störend wirkt es, wenn für ein und denselben Sachverhalt unterschiedliche Schriften eingesetzt werden und die Ausrichtung verschieden ist.


4. Gliederung der Textblöcke

Der Lesefluß und das Aufnahmevermögen werden durch die Zeilenbreite (Anzahl der Augenbewegungen) und durch Absätze bestimmt. Als Faustregel kann man eine Zeilenbreite von ca. 60 Zeichen als noch gut lesbar annehmen.

Ein Absatz ermöglicht dem Leser so etwas wie eine kleine geistige Pause oder inneres Durchatmen. Häufige Absätze, Zwischenüberschriften und eventuell Bilder können das Lesen wesentlich erleichtern.


5. Plazierung von Abbildungen

Fotos und andere Abbildungen werden nicht an zufällig noch frei bleibende Stellen gequetscht, sondern an die Textstelle gesetzt, zu der sie gehören bzw. dorthin, wo sie im Entwurf vorgesehen sind.


6. Verwendung grafischer Elemente

Linien, Rahmen und Flächen sind die wichtigsten grafischen Elemente. Sie helfen, eine Seite übersichtlicher zu machen und auf Wichtiges besonders hinzuweisen. Außerdem kann dadurch der optische Eindruck gefälliger gemacht werden. Ein Zuviel wirkt allerdings eher negativ.

Bei jeder Art tabellarischer Übersicht helfen Linien, die Orientierung zu bewahren. Auch zur Abgrenzung besonderer Seitenteile, wie Kopf- oder Fußzeilen, setzt man sie ein.

Besondere Textteile können durch Rahmen und Linien hervorgehoben und so aus dem normalen Satzspiegel herausgelöst werden; diese Möglichkeiten sollte man allerdings nicht zu häufig verwenden.


7. Einige letzte Details


S. Kropac, G. Vasold, 2000-12-02