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Der Franziszeische Kataster

Allgemeines

Über die Herkunft des Wortes ,,Kataster`` gibt es etwas unterschiedliche Ansichten. Nach Favre kommt es vom mittellateinischen ,,catastrum``, das folgendes bedeutet: ,, Catastrum, catastum, Codex in quo recensentur bona, possessiones, possessorum nomina, census, impositiones, etc.``gif K. Schwarzinger führt die lateinischen Wörter ,,catastrum`` bzw. ,,capitastrum`` an, welche mit ,,Kopfliste`` bzw. ,,Liste über Steueraufzeichnungen`` übersetzt werden.gif Nach K. Ulbrich ist das lateinische ,,catastrum`` eine Kürzung des Wortes ,,capistratum'' bzw. ,,capitastratum`` und bedeutet sinngemäß ,,Kopfsteuerverzeichnis``.gif

Das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen definiert den Grundkataster folgendermaßen: ,, Der Grundkataster ist eine nach geschlossenen Gebieten (Katastralgemeinden) angelegte Zusammenfassung der geometrischen Darstellungen und Beschreibungen aller Grundstücke.``gif Diese Katastralgemeinden sind Ortschaften, deren Insassen einem Ortsvorsteher unterstanden, deren Grenzen topographisch geschlossen waren und die schon im Grundsteuerprovisorium als selbständige Steuergemeinden bestanden haben.gif

Die kleinsten Einheiten innerhalb einer Katastralgemeinde sind die Parzellen, die sich in Eigentümer, Kulturgattung, gesetzlicher Eigenschaft und der Zugehörigkeit zu verschiedenen Häusern unterscheidengif. Zwei amtliche Definitionen unterstreichen deren Eigenschaften:

,,Unter einer Parzelle wird jedes Stück Landes verstanden, welches
  1. einem und demselben Eigentümer gehört;
  2. ganz in dem nämlichen Riede (Flur oder deren Unterabteilung) liegt und einem und demselben Gemeinde- oder selbständigen Gutsbezirke etc. angehört;
  3. von der nämlichen Kulturart ist, sofern diese durch feste Grenzen bestimmt ist.``gif

,,Grundstück oder Parzelle ist jeder Teil der Erdoberfläche, der sich von seiner Umgebung nach der Person des Besitzers, nach seiner grundbuchsrechtlichen Stellung, nach der dauernden Zweckbestimmung (Widmung), nach der landwirtschaftlichen Nutzungsart (Kultur) und nach der natürlichen oder künstlichen Begrenzung unterscheidet.``gif

Die Grundkataster wurden vor allem zum Zwecke der Besteuerung des Grundertrages angelegt. Über den Anteil der Staatseinnahmen aus der Grundsteuer gehen die Meinungen auseinander. Während die Grundsteuer für R. Messner die ertragreichste und wichtigste Einnahmequelle des Staates vor der Industrialisierung istgif, gibt A. Wagner für 1792 einen Anteil der direkten Steuern (wozu die Grundsteuer zählt) an den Gesamtnettoeinnahmen des Staates von nur mehr 34,2 % angif.

Da die meisten Arbeiten über Grundkataster von Personen verfaßt wurden, die im Vermessungswesen tätig waren, wird immer wieder die Wichtigkeit eben dieser Kataster betont. Das folgende Zitat zeigt das ganz deutlich:

,,Dieses fast überall anzutreffende feste Vertrauen, das die grundbesitzende Bevölkerung zur Katastralmappe seit jeher hatte, ist über die eigentliche staats- und volkswirtschaftliche Bedeutung hinaus ein sprechendes Zeugnis für die allgemeine Nützlichkeit, ja unbedingte Notwendigkeit eines einwandfreien Grundsteuerkatasters.``gif

Vorläufer des Franziszeischen Katasters

Katasterkarten existierten nach Überlieferungen oder begründeten Vermutungen schon um 2300 v. Chr. in Mesopotamien als Steuerunterlage oder zur Sicherung von Landbesitztiteln.gif Auch im Ägypten der Pharaonen gab es bereits Kataster, um nach den jährlichen Nilüberschwemmungen die Ackergrenzen neu ausstecken zu können.gif

In Mitteleuropa begann erst im 18. Jahrhundert die flächendeckende Anlegung von einwandfreien Grundsteuerkatastern, weil die Instrumententechnik bis dahin noch nicht so weit fortgeschritten war, bis dahin nicht genug Geometer zur Verfügung standen und es erst im Absolutismus möglich war, daß die Landesfürsten eine möglichst gleichmäßige Besteuerung gegen den Widerstand der Grundherren durchsetzen konnten.gif

Der Mailänder Kataster

Der Mailänder Grundsteuerkataster ist wahrscheinlich der älteste von Europagif, der erste entstand im Jahre 1248. Am 1. 11. 1546 wurde eine Schätzungsbehörde für eine neue Ausmessung aller Grundstücke ernannt. Nach der Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges im Frieden von Utrecht, dem Karl VI in den Verträgen von Rastatt und Baden für Österreich und das Reich beigetreten war, kam das Herzogtum Mailand 1714 an die Habsburger. Um die Einhebung der Grundsteuer auf möglichst gerechter Grundlage durchführen zu können, wurde 1718 eine Kommission zu diesem Zwecke eingesetzt.

Johann Jakob von Marinoni (1676 -- 1755), der kaiserliche Hofmathematiker, leitete die neue Ingenieur-Akademie, die 1717 gegründet worden war, damit die Armee genügend Techniker zur Verfügung hatte, vor allem für Feldmeßkunst und Militärbaukunstgif. Er arbeitete die Grundlagen für die Katastralvermessung des Herzogtumes Mailand ausgif, die eine große Einheitlichkeit anstrebten, vor allem einheitliche Vermessungsmethoden und Längenmaße im gesamten Vermessungsgebiet. Außerdem wurde mit dem Maßstab von 1:2000 bereits nach dem dezimalen System gearbeitet.

Marinoni führte für die Vermessung den Meßtisch anstelle des bisher verwendeten Squadro (Winkeltrommel) ein. In einer Versuchsmessung stellte sich heraus, daß die Meßtischmethode schneller, billiger und in vielen Gebieten auch genauer war, weil keine Parzellen übersehen werden konnten und eine bessere Kontrolle ermöglicht wurde.gif

1720 -- 1723 wurden 2387 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 19.220 km² vermessen.gif Die Grundstücke teilte man für die Besteuerung in 3 Güteklassen ein und für jede Kulturgattung und Klasse ermittelte man den Rohertrag, die Kulturkosten und den Reinertrag. Diese Schätzung begann 1721, der Polnische und der Österreichische Erbfolgekrieg unterbrachen die Arbeiten zehn Jahre später. 1749 bis 1759 erfolgte eine neuerliche Schätzung und mit 1. Jänner 1760 trat der neue Mailändische Kataster in Kraft.gif Er gilt als der erste in Katastralgemeinden und Parzellen gegliederte Reinertragskataster:gif ,, Damit wurde Mailand der erste Staat in Europa mit einem einheitlichen Grundsteuerkataster, mit einer gesamten Katastralvermessung, wenngleich ohne vorherige Triangulierung.``gif Hier zeigte sich bereits, wie zeitaufwendig solche Unternehmungen waren und sind: Zwischen dem Beginn der Vermessungen und dem Inkrafttreten des Katasters lagen immerhin 40 Jahre.

Die Theresianische Steuerrektifikation

Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg begann man in den österreichischen Erblanden unter Maria Theresia mit einer Reorganisation des Steuerwesens. Mit dem Patent vom 5. September 1747 erfolgte die dauernde Trennung von Rustikallandgif und Dominikallandgif auf der Grundlage des Jahres 1732. Das Patent vom 26. Juli 1748 kündigte dann eine Steuerrektifikation (Steuerberichtigung) an, in der zum ersten Mal das Prinzip der allgemeinen Steuerpflicht vorkam.

Mit dem Patent vom 2. September 1748 ordnete Maria Theresia für Österreich unter der Enns die Hauptlandesrektifikation an, um den realen Wert der Gründe oder Gewerbe neu zu bestimmen. Der Besteuerung unterlagen die ertragsfähigen Grundstücke, abgeleitete Nutzungen und obrigkeitliche Gefälle (Dienste und Abgaben der Untertanen), Häuser und damit verbundene Gewerbebetriebe.gif Die Grundlage der Besteuerung stellte der kapitalisierte Ertrag oder der in anderer Weise ermittelte Wert der betreffenden Objekte aufgrund von Angaben der Steuerpflichtigen oder Schätzungen dar. Das Patent sah eine Steuer von 1 % für Dominikalland und eine Steuer von 2 % für Rustikalland vor.

Für andere Kronländer wurden ähnliche Patente erlassen, so auch für die Steiermark am 25. Juni und am 27. Juli 1748, sowie am 15. Feber 1749. Für Dominikalbesitz und Nebennutzungen mußten Fassionen (Steuererklärungen) über die Bruttoeinkünfte abgegeben werden, für die ein Steuersatz von 25 % vorgesehen war.gif Das Patent vom 10. März 1753 schrieb eine Richtigstellung der Rustikalpfunde (Kapitalwert von 1542 einschließlich Viehstand) vor. Der Wert wurde je Pfund mit 10 fl. 45 kr. festgesetzt.gif

Für Tirol veranlaßte das Patent vom 6. August 1774 eine Neuregelung. Nur in Tirol erstellte man mappenähnliche Darstellungen aufgrund von Vermessungen, vermutlich mit der Meßtischmethode.gif Der neue Kataster für Tirol trat am 10. November 1784 in Kraft und blieb es bis 1882.gif

Die Ergebnisse der Theresianischen Steuerrektifikation stehen in den Subrepartitionstabellen und den Rektifikationsurbaren.gif Diese Steuerbereinigung dauerte bis 1756 und blieb mit einer halbjährigen Unterbrechung bis 1819 in Kraft. Sie bezog das Dominikalland dauernd in die Besteuerung ein.

In Österreich unter der Enns führte das Patent vom 14. Juli 1756 ein einheitliches Maß- und Gewichtssystem ein. Als einheitliches Längenmaß fungierte nun das niederösterreichische oder Wiener Klafter zu 1,896484 m bis zur Einführung des Metermaßes.gif

Der Josephinische Kataster

Durch das Grundsteuer-Regulierungspatent vom 20. April 1785 sollte in den Provinzen Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, Österreich ob und unter der Enns, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Gradisca ein einheitliches Steuersystem eingeführt werden, um den Boden ohne Unterschied nach dem Besitzer nach dem realen Ertrag zu besteuern. Erstmalig in Europa wurde so das Prinzip der allgemeinen und gleichen Besteuerung aufgestellt.gif Das Patent vom 10. Feber 1786 dehnte das Geltungsgebiet auch auf Ungarn aus.gif

In den Schriftstücken des Josephinischen Katasters findet man die älteste offizielle Feststellung und Vermarkung der Gemeindegrenzen und die Festhaltung der vorhandenen Flur- oder Riednamen.gif

Die Instruktionen für diese Vermessung, die sogenannte Überwachungsinstruktiongif und die Ausmessungsinstruktiongif stammten von Josef Liesganig (SJ). Er vermaß unter anderem auch die Wiener Neustädter Basis, welche noch heute als ein Fundament der österreichischen Landesaufnahme gilt.gif Als Längeneinheit wurde für alle Provinzen das Wiener Klafter (1,896484 m), als Flächeneinheit das Niederösterreichische Joch (5754,6425 m²) zu 1600 Quadratklaftern (3,596651 m²) bestimmt.gif Liesganig wollte das Joch auf 1000 Quadratklafter ändern, um durch das Dezimalsystem leichter rechnen zu können, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Die Ausmessung der Grundstücke hatte durch den Dorfrichter und sechs Geschworene unter Mitwirkung der Grundbesitzer zu erfolgen. Nur umfangreiche Grundstücke, größere Waldungen und im Gebirge gelegene Grundstücke nahmen Ingenieure der Steuerregulierungs-Unterkommissionen mit dem Meßtisch auf.gif Für die Leitung, Überwachung und Durchführung wurden 264 Offiziere zur Verfügung gestellt.gif

Die Ermittlung des Grundertrages erfolgte durch Steuererklärungen der jeweiligen Besitzer, nur der Wald wurde von Sachverständigen geschätzt. Die Kulturkosten berücksichtigte man durch unterschiedliche Steuersätze: für je 100 fl. Bruttoertrag waren als Steuer zu entrichten vongif Äckern, Trischfelderngif, Weingärten, Teichen, Seen und Flüssen: 10 fl. 37 1/2 kr., von Wiesen, Gärten und Alpen: 17 fl. 55 kr., sowie von Hutweiden, Gestrüppen und Wäldern: 21 fl. 15 kr. Daraus ergab sich ein Durchschnitt von 12 fl. 13 1/3 kr.

Diese Werte galten für das gesamte Geltungsgebiet der Josephinischen Grundsteuerregulierung, mit der Ausnahme von Galizien, wo alle Sätze um ein Drittel verringert wurden.gif Als Grundlage der Preise diente der Durchschnitt der Jahre 1772 bis 1782 unter Berücksichtigung von Abzügen für die Entfernung vom Wochenmarktplatz.gif

Die Vermessung erstreckte sich auf 36 Mio. Joch Grund (207.340 km²) mit einem Bruttoertrag von 114 Mio. fl., von denen eine Grundsteuer von 13 Mio. fl. zu entrichten war.gif Die Grundsteuer wurde aufgrund des Durchschnitts von 12 fl. 13 1/3 kr. auf die einzelnen Gemeinden umgelegt, wobei für die Aufteilung auf die einzelnen Besitzer jeweils der obrigkeitliche Beamte und der Gemeindevorstand zuständig waren.gif

Die Josephinische Grundsteuerregulierung trat mit 1. November 1789 in Kraft und die neue Grundsteuer löste die landesfürstliche Kontribution und verschiedene Nebenabgaben ab. Der Bauer sollte fortan 30 % Abgaben vom Bruttoertrag bezahlen, die Differenz zwischen der Grundsteuer und den 30 % sollte dem Grundherrn zugute kommen. Diese Regelung galt aber nur für Rustikalgründe, bei Dominikalgründen gab es keine Vorschriften über die grundherrlichen Abgaben.gif

Nach dem Tode Josephs II. hob dessen Nachfolger, Leopold II., diese Grundsteuerregulierung mit Wirkung vom 1. Mai 1790 für Österreich unter der Enns (für die anderen Kronländer gab es eigene Aufhebungspatente bis zum 10. Juni) wieder auf. Die Josephinische Grundsteuerregulierung war also nur ein halbes Jahr in Kraft.

Die Mängel der Josephinischen Steuerregulierung bestanden darin, daß man vom Bruttoertrag ausging und die Vermessung und die Ertragsermittlung ungenau waren.gif

Die Grundsteuerprovisorien

Das Patent vom 23. Dezember 1817 kündigte eine Neuregelung der Grundsteuer an. Bis zur Fertigstellung dieses neuen Katasters gab es Provisorien, um die Mängel der seit der Aufhebung der Josephinischen Grundsteuerregulierung wieder nach der Theresianischen Steuerrektifikation eingehobenen Grundsteuer zu beseitigen.

Am 8. Feber 1819 wurde das Allgemeine Grundsteuerprovisorium für Österreich unter der Enns, Österreich ob der Enns (einschließlich Salzburg), Steiermark, Kärnten (nur Klagenfurter Kreis), Mähren, Schlesien und Galizien verkündet. Es trat am 1. November 1820 (Beginn des Militär- oder Verwaltungsjahres 1821)gif in Kraft, in der Steiermark allerdings bereits am 1. November 1818.gif Dieses Provisorium baute auf die Josephinische Grundsteuerregulierung auf, Änderungen, die während der letzten 30 Jahre eingetreten waren, wurden aber berücksichtigt. Der Grundsteuer unterlagen Grunderträgnisse, Nutzungen von Gebäuden, Urbarial- und Zehentgenüsse.gif

Spezielle Grundsteuerprovisorien bestanden für einzelne Länder bzw. Teile davon: Im Villacher Kreis brachte man die Grundsteuer-Matrikel der französischen Regierung auf den neuesten Stand. In Tirol fand die Josephinische Steuerregulierung nicht statt, weil erst 1784 ein neues Steuersystem in Kraft getreten war, das auf dem mittleren Kaufpreis beruhte. In Vorarlberg entstand ein Gutswertkataster unter der bayrischen Herrschaft, der 1811 in Kraft trat.

Der Franziszeische Kataster

1806 ergingen Kabinettsbefehle an die Vereinigte Hofkanzlei, um ein allgemeines, gleichförmiges und stabiles Katastersystem zu schaffen. Die Bezeichnung ,,stabil`` bezieht sich auf die Steuerbemessung, die konstant bleiben sollte, auch wenn der Ertrag durch Mehraufwand steigen sollte.gif 1810 entstand zu diesem Zweck die Grundsteuerregulierungs-Hofkommission. 1817 stimmte Franz I. einer vorhergehenden trigonometrischen Triangulation zu, die auch für die gleichzeitig stattfindende Landesaufnahme notwendig war. Nach einer Versuchsaufnahme von einer Quadratmeile zwischen Brunn und Mödling erließ Franz I. am 23. Dezember 1817 das Grundsteuerpatentgif, welches die Grundlage des Franziszeischen oder Stabilen Katasters bildet. R. Messner schreibt, daß dieses Patent bewußt als Weihnachtsgeschenk an diesem Tag erlassen wurdegif. Am Beginn desselben Jahres hatte auch Erzherzog Johann eine Regulierung der Grundsteuer als notwendige Abhilfe für die schlechte wirtschaftliche Lage in der Steiermark gefordert.gif Grundsteuerpflichtig waren nun Nutzungen von Grund und Boden und von Gebäuden.gif

Das Geltungsgebiet erstreckte sich über ,,saemmtliche[n] Deutsche[n] und Italienische[n] Provinzen``gif, das sind: Österreich unter der Enns, Österreich ob der Enns mit Salzburg, Steiermark, Kärnten, Krain, Küstenland, Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien mit Bukowina, Lombardei (wo der früher erwähnte Mailänder Kataster nicht bestand), Venetien, Dalmatien, Tirol und Vorarlberg. Keine Geltung besaß er im Königreich Ungarn, im Großfürstentum Siebenbürgen, in der Militärgrenze und in jenen Teilen der Lombardei, wo der Mailänder Kataster gültig war.gif

In Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien, Slawonien, der Vojvodina und im Temescher Banat wurde der Stabile Kataster erst durch die Patente vom 20. und 31. Oktober 1849 eingeführt.gif

Die Triangulierung

Die trigonometrische Triangulierung führten die Ingenieure des 1818 geschaffenen Triangulierungs- und Calcul-Bureaus bis einschließlich des Netzes 3. Ordnung durch, um 3 trigonometrische Punkte in jeder Quadratmeile (4000 x 4000 Klafter) zu bestimmen.gif Die Triangulierung bezog sich auf den Ferro-Nullmeridian, der 1634 festgelegt worden war.gif

Jede Quadratmeile wurde in 20 Aufnahmssektionen oder Mappenblätter geteilt. Diese Rechtecke hatten eine Seitenlänge von 1000 (Ost-West) x 800 (Nord-Süd) Klaftern und einen Flächeninhalt von 500 nö. Joch. Bei der graphischen Triangulierung mußten für jede der 20 Aufnahmssektionen 3 Punkte graphisch bestimmt werden.gif

Die Detailvermessung

Gegenstände der Vermessung waren die Grenzen der Gemeinden, die Grenzen der Parzellen (Grundstücks- und Bauparzellen mit Vermessung der Gebäude und Hofräume), fixe Objekte wie Brücken oder Feldkreuze, Grenzen der Eisenbahnen, der öffentlichen Straßen und Wege und die Ufer der Gewässer.gif Eine Instruktion vom Jahre 1818 enthielt die Vorschriften über die Vermessung in 477 Paragraphen.gif Sie wurde durch verbesserte Auflagen an technische Neuerungen und neue gesetzliche Vorschriften angepaßt.

Die Vermessung erfolgte gemeindeweise mittels des Meßtisches, wobei jedes Tischblatt einer Aufnahmssektion entspricht. Die Katastralgemeinden sind dem Umfang nach die Steuergemeinden zur Zeit der Vermessung. Wenn jedoch die Fläche einer Gemeinde geringer als 500 Joch (entspricht einem Mappenblatt)gif war, eine Gemeinde ganz von einer anderen Gemeinde umschlossen war oder in diese unförmig hineinragte, oder wenn Grundstücke verschiedener Gemeinden vermengt waren, legte man Gemeinden zusammen.gif

Die Gemeinden waren verpflichtet, die Eigentumsgrenzen innerhalb der Gemeinde im gegenseitigen Einvernehmen zu berichtigen und erforderlicherweise zu bezeichnen, was nicht immer einfach war. Das sollte bereits ein Jahr vor der Detailvermessung geschehen. Die Vermessung erfolgte im Maßstab 1:2880 (zehnfaches Militärmaßgif, 1 Zoll auf der Mappe (Karte) entsprach 40 Klaftern in der Natur). Ausnahmen gab es sowohl für Gemeinden mit minderwertigen Kulturen und großen Parzellen (1:5760) als auch für Gemeinden mit wertvollen Kulturen und kleinen Parzellen (1:1440 oder auch 1:720).gif

Vor der Detailaufnahme erstellte der Vermessungsingenieur für jede Aufnahmssektion ein geodätisches Netz mit Dreiecken von ungefähr 200 Klaftern Seitenlänge. Der Vermessungsadjunkt pflockte die Parzellen unter Mitwirkung der Gemeinde aus und hielt in einer Feldskizze folgendes fest: Konfiguration der Parzellen, Namen der Eigentümer, Hausnummern, gesetzliche Eigenschaft des Bodens, Nummern der Pflöcke und Längen der gemessenen Strecken. Die Vermessung geschah riedweise durch Vorwärtseinschneiden. Nach dem Ende der Vermessung wurde eine Reambulierung (Prüfung und eventuelle Ergänzung) der Vermessungs- und Erhebungsergebnisse vorgenommen.

In der Winterperiode überprüfte der Vermesser zuerst den Anstoß an die Sektionslinien und Gemeindegrenzen und numerierte dann die Parzellen (Grundparzellen rot, Bauparzellen schwarz). Die Flächeninhalte wurden durch Zerlegung in geometrische Figuren ermittelt.gif

Der Vermesser übergab nach dem Abschluß seiner Arbeit folgende Operate (Schriftstücke und Karten des Franziszeischen Katasters) an den Inspektor:gif

Nach K. Ulbrich ist die Genauigkeit der Vermessung auch heute noch tragbar.gif Zur Verwahrung und Verwaltung der Vermessungs- und Schätzoperate des Franziszeischen Katasters wurden 1822 Provinzialmappenarchive und 1833 das Zentralmappenarchiv in Wien errichtet, welches 1970 aufgelöst wurde. Die Bestände gingen an das Katastralmappenarchiv (Katasterarchiv) und die Landesarchive.gif

Das Lithographische Institut des Grundsteuerkatasters in Wien wurde 1818 geschaffen, um die Mappen vervielfältigen zu können. Die Bediensteten des Lithographieinstitutes arbeiteten im Akkord.gif 1861 wurde das Trockenverfahren erfunden und seit ungefähr 1910 werden die Mappen photomechanisch auf Metallplatten, die neuen Druckstöcke, übertragen.gif

Die technische Leitung des Katasters erfolgte zuerst durch Militärs, der Großteil der Detailoperationen durch Offiziere.gif Die Militärgrenze vermaßen ausschließlich Militärgeometern.gif Unterschiedliche Arbeitsleistungen bei der Vermessung ergaben sich durch unterschiedliche Beistellung von Hilfskräften und Herabsetzung von Qualitätsvorschriftengif sowie unterschiedliche Geländeformen und Besiedlungsdichten.

Die Katastralschätzung

Die Grundstücke wurden in die Kulturgattungen Äcker, Wiesen, Gärten, Weingärten, Hutweiden (früher Gemeinschaftsweiden, im 18. Jahrhundert aufgeteilt), Wälder, Teiche, Seen, Sümpfe, gemischte und Wechsel-Kulturen eingeteilt. Innerhalb der Kulturgattungen gab es verschiedene Güteklassen. In jeder Gemeinde stellte man für jede Kulturgattung und jede Güteklasse Mustergründe auf. Die Einreihung der einzelnen Parzellen in Kulturgattung und Klasse erfolgte an Hand der Indikationsskizzen durch den in der Gemeinde bestellten Ausschuß unter Kontrolle des Schätzungskommissärs. Den Reinertrags je Flächeneinheit ermittelte der Schätzungskommissärs gemeindeweise für jede Kulturgattung und Klasse durch Bestimmung des Natural-Bruttoertrags, dessen Bewertung in Geld und durch Abzug des Kulturaufwandes in Prozentengif oder laut Messner in absoluten Wertengif.

Am 24. Juli 1825 wurde zur Ermittlung der Reinerträge der Grundstücke aller Länder auf gleicher Grundlage eine Belehrung für die Steuerbezirksobrigkeiten erlassen. Als Preise für die Bodenprodukte und des Kulturaufwandes sollten die im allgemeinen niedrigsten Preise der Zeitspanne von 1775 bis 1824 genommen werden. Die Grundsteuerregulierungs-Hofkommission ermittelte dafür das Jahr 1824, dessen Preise für die ortsüblichen Früchte und den ortsüblichen Kulturaufwand die Gemeinden unter Kontrolle der Bezirksobrigkeit in eigenen Protokollen festhalten mußten.

Die Durchführung der Schätzungsarbeiten begann 1826 im Erzherzogtum Österreich unter der Enns nach der Katastralschätzungs-Instruktion vom 29. April 1826, die mit einigen Abänderungen auch für die anderen Kronländer gültig war.gif

Durch den § 16 des Grundsteuerpatents von 1817 und das Hofkanzleidekret vom 4. November 1829 konnten die Gemeinden und Grundbesitzer Einwendungen erheben. Die Gemeinden konnten gegen die Feststellung der Kultur- und Bonitätsklassen und der Ertragstarife reklamieren und die Grundbesitzer gegen die Besitzanschreibung, Flächenberechnung und Einreihung der Grundstücke in Kultur- und Bonitätsklassen.gif

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse der Vermessung und Schätzung des Stabilen Grundsteuerkatasters traten zuerst in Österreich unter der Enns mit der Grundsteuerrepartition vom 1. November 1834 in Kraft. 1843 folgten Kärnten, Krain und Istrien, 1844 Österreich ob der Enns, Salzburg und die Steiermark, 1851 Mähren, 1852 Schlesien, Dalmatien und Krakau und schließlich 1852 bis 1860 Böhmen. Nicht in Kraft trat der Franziszeische Kataster in Tirol, Vorarlberg, Galizien und der Bukowina.gif

Zunächst änderte sich nur die Aufteilung der Steuerlast auf die einzelnen Steuerpflichtigen eines Landes, während die Steuerlast der einzelnen Länder nicht verändert wurde. Das Patent vom 10. Oktober 1849 setzte mit Beginn des Jahres 1850 die Grundsteuer einheitlich auf 16 % des Reinertrags + 1/3 als außerordentlichem Zuschlag (= 21 1/3 %) fest.gif Durch kaiserlichen Befehl wurde am 13. Mai 1859 ein weiterer (Kriegs-)Zuschlag von 1/6 angeordnet. Dieser Zuschlag erhöhte sich für die Jahre 1863 bis 1865 auf 1/3, betrug für 1866 und 1867 1/4 und und wurde durch das Gesetz vom 26. Juni 1868 schließlich mit 1/3 festgesetzt (= 26 2/3 %).gif Diese Sätze galten auch in den Ländern, in denen der Franziszeische Kataster nicht in Kraft trat.

Die Nachteile

Die Mängel des Franziszeischen Katasters liegen darin, daß nicht alle Geometer Hochschulbildung hatten, und daß ihre Instrumente und Geräte nicht die gleiche Qualität aufwiesen.gif Weitere Nachteile ergaben sich aus der Meßtischmethode, die ein graphisches Ergebnis liefert und freie Sicht auf die zu vermessenden Objekte erfordert; außerdem veränderte sich das Zeichenpapier durch die Witterung.gif Bei der Ertragsschätzung sind die Probleme, daß man von einem Normaljahr und nicht von einem Durchschnitt von verschiedenen Jahren ausging, daß die Schätzungsarbeiten zu unterschiedlichen Zeiten erfolgten, sowie die Umständlichkeit des Verfahrens.gif

Nach E. Nickerl von Ragenfeld litt die Katastralvermessung unter einem ,,steuertechnischen Geist``, der bewirkte, daß Eigentumsgrenzen gleich dargestellt wurden wie Kulturgrenzen und öffentliche Wege über steuerfreie oder gering besteuerte Flächen nicht ausgewiesen wurden. Dies führte dazu, daß öffentliche Wege vielfach unterbrochen in den Mappen aufscheinen.gif Weiters weist E. Nickerl von Ragenfeld auf die geradlinige Darstellungsweise der Katasterkarten hin:

Zusammenstellung der Gesamtergebnisse der Katastralvermessung in den im
Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern
(Finanzministerium, Meßtischinstruktion, 25.)

,,Vielfach gekrümmte Waldstreifen wurden einfach geradlinig dargestellt. Wie überhaupt gegenüber einer modernen Aufnahme die alten Katasterpläne schon den flüchtigen Beseher wegen der meist unberechtigt geradlinigeren Darstellungsweise etwas unnatürlich starres, totes an sich haben. Die Katasterpläne repäsentieren also meist nur rohe Darstellungen der Bodenoberfläche, die jedoch für die nur annähernd notwendigen Flächenansätze zur Steuerbestimmung vollauf genügen.``gif

Die Evidenzhaltung

Im Grundsteuer-Patent von 1817 sah bereits eine Evidenzhaltung vor, die Änderungen in der Person des Besitzers und im Umfang der Steuerobjekte erfassen sollte.gif 1844 wurden schließlich 19 stabile Evidenzhaltungsgeometer berufen, deren Zahl 1883 auf 370 Personen in 320 Vermessungsbezirken erhöht werden mußte.gif Kulturänderungen wurden dagegen nicht berichtigt. Unterteilungen von Parzellen kennzeichnete man durch Unterstreichen der Zahl und Daruntersetzen eines Buchstabens.gif

Die Fortführung des Franziszeischen Katasters

Die Grundsteuerregelung (1869 -- 1882)

  1861 wurde die Katastralvermessung in Tirol und Vorarlberg abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch 5 verschiedene Grundsteuersysteme in Österreich: die jeweils verschiedenen Provisorien in Tirol, Vorarlberg, Galizien, der Bukowina und schließlich die Besteuerung nach dem Stabilen Grundsteuerkataster.gif Eine Schätzung nach dem Normaljahr 1824 erwies sich als nicht mehr möglich, außerdem gab es eine ungleichmäßige Verteilung der Steuerlast auf die einzelnen Länder wegen der ungleichzeitigen Vermessung und Schätzung, geänderter Wirtschaftsverhältnisse und weil obendrein Kulturänderungen in der Evidenzhaltung nicht berücksichtigt wurden.gif

Eine in allen Kronländern gleichzeitig durchgeführte Katastralschätzung sollte Abhilfe schaffen. Die Grundlage dafür bildete der Stabile Kataster nach einer vollständigen Reambulierung. Das Gesetz über die Regelung der Grundsteuer datiert vom 24. Mai 1869.gif Zwei Jahre später begann man auch mit der Anlage des Grundbuches.gif

Nach dem Gesetz von 1869 unterlagen Bauparzellen nicht mehr der Grundsteuer.gif Die Grundstücke wurden in 8 Kulturgattungen mit höchstens 8 Güteklassen eingeteilt und aufgrund der Marktpreise der Zeitspanne von 1855 bis 1869 bewertet.gif Im Herbst 1882 schlossen die zuständigen Kommissionen die letzten Reklamationen ab und 1883 legte man bereits die Ergebnisse der Grundsteuerregelung der Grundsteuervorschreibung zugrunde.gif

Die Grundsteuerregelung kostete in 13 Jahren mehr als 30 Mio. fl. Das Gesetz vom 7. Juni 1881 setzte die Grundsteuerhauptsumme für die folgenden 15 Jahre mit jährlich 37,5 Mio. fl. festgif, und ab 1883 betrug der Steuerfuß 22,7 %gif. Die Kosten der Grundsteuerregelung erreichten somit fast die Höhe der Einnahmen aus der Grundsteuer eines Jahres.

Die Revision des Grundsteuerkatasters (1896 -- 1897)

Das Grundsteuerregelungsgesetz 1869 sah im § 41 eine periodische Revision des Katasters alle 15 Jahre vor, die allerdings nur einmal durchgeführt wurde. Wegen der hohen Kosten bei der Grundsteuerregelung wurden nur dauernde Kulturänderungen und Irrtümer berücksichtigt.gif Bei der Revision des Grundsteuerkatasters bestand die Möglichkeit, die Grundsteuerhauptsumme um 2,5 Mio. fl. auf 35 Mio. fl. zu verringern, um benachteiligte Länder zu entlasten. Nach E. Nickerl von Ragenfeld haben vor allem gut informierte Grundeigentümer Vorteile daraus gezogen.gif

Im Zuge der Revision wurde der Kataster auch auf das metrische Maß umgestellt, das mit 1. Jänner 1876 in Österreich-Ungarn in Kraft tratgif.

Die Neuvermessungen

Nach der Okkupation von Bosnien-Herzegowina wurde 1879 sogleich eine Volkszählung und eine Häusernumerierung durchgeführt. Aufgrund einer trigonometrischen Triangulierung erfolgte 1880 bis 1884 eine Detailaufnahme des Landes im Maßstab 1:6250 oder 1:3125. Daran schloß sich die Aufstellung von Mustergründen und die Einschätzung aller Grundstücke an.gif

Ab 1890 gab es Neuvermessungen ausschließlich nach der Polygonalmethode, die nur mehr zahlenmäßige Ergebnisse liefert. 1873 begann man im Maßstab 1:2500 zu arbeiten, wobei für Städte auch die Maßstäbe 1:1250 und 1:625 zulässig waren.gif Statt Quadratmeilen verwendete man ab diesem Zeitpunkt Triangulierungsblätter (10.000 x 8.000 m).gif 1914 wurde der Maßstab 1:2000 vorgeschrieben und die Vermessungsstreifen hatten ein Ausmaß von 1280 mal 1000 m.gif

Seit 1. Jänner 1940 wird die Grundsteuer nach der Einheitswerten aufgrund einer Bodenschätzung eingehoben, die allerdings erst 1947 bis 1972 durchgeführt worden ist.gif Mit dem ,,Bundesgesetz über die Landesvermessung und den Grenzkataster``gif gibt es seit dem 1. Jänner 1969 eine neue Grundlage für die Evidenzhaltung des Grundkatasters. Nunmehr werden die Eckpunkte eines Grundstückes nicht mehr zeichnerisch, sondern rechnerisch durch Koordinaten bestimmt.gif Der Kataster ist jetzt ein verbindlicher Nachweis über die Grenzen der Grundstücke, der er vorher nicht war.gif Anstelle von Kulturgattungen gibt es jetzt Benützungsarten und anstelle von Reinerträgen Ertragsmeßzahlen.gif

Die einzelnen Operate

Die Beschreibung der einzelnen Operate des Franziszeischen Katasters folgt, sofern nicht anders angegeben, der Studie F. Allmersgif.

  1. Die Vorläufige Grenzbeschreibung der Katastralgemeinden entstand dadurch, daß ein Jahr vor Beginn der Detailaufnahme eine Kommission die Gemeindegrenzen durch eine Begehung derselben festlegte. Diese Kommission bestand aus dem Gemeindegrenzgeometer, einem politischen Beamten, dem Gemeindevorsteher, zwei mit dem Grenzverlauf vertrauten Gemeindemitgliedern und den entsprechenden Vertretern der angrenzenden Gemeinden.gif Diese Vorläufige Grenzbeschreibung ist bei späteren Grenzfeststellungen maßgebender als die Definitive Grenzbeschreibung, die nach Abschluß der Gemeindeaufnahme in der Kanzlei entstand.gif Sie befinden sich beide im Steiermärkischen Landesarchiv.

  2. Die Urmappe ist das Originalzeichenblatt, auf das der Vermesser die Triangulierungspunkte (mind. 3), alle Grenzpunkte der Eigentums- sowie der Kulturgrenzen und ebenso die Bauwerkseckpunkte auftrug. Die Kulturgattungen sind durch Farben dargestellt. Grundparzellen sind zinnoberrot und Bauflächen schwarz numeriert. Änderungen von 1861 bis 1871 wurden im Zuge der Reambulierung in zinnoberroter Farbe eingearbeitet. Die Urmappe liegt im Katastralmappenarchiv des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien.

  3. Die Indikationsskizze und ihr Zweck sind in der Instruktion von 1817 in den §§ 345 -- 354 geregelt. Der Adjunkt oder Meßgehilfe zeichnete sie parallel zur Urmappe auf Kartenpapier. In die Grundstücke wurden die Namen und Anschriften der Grundeigentümer, in die Bauflächen (Bauparzellen) die Ordnungsnummer eingetragen. Der Vermesser legte die Schriftoperate (Parzellenprotokoll = Grundstückverzeichnis, Eigentümerverzeichnis, Häuserverzeichnis, Grundbesitzbogen, Kulturflächenausweis ...) mit Hilfe der Indikationsskizze im Winterhalbjahr an. Kulturgattungen wurden mit Zeichen und Farbe versehen. Auf der Rückseite jedes Blattes mußten die Indikatoren (ortsansässige Bewohner, die die Grenzpunkte jedes Grundstückes anzeigten) mit Datum und Unterschrift die Richtigkeit der Arbeit bestätigen. Erste Änderungen und Nachträge wurden auf den Indikationsskizzen in roter Farbe eingetragen, Grundstücksunterteilungen mit lateinischen Kleinbuchstaben.

    Bei Wohnhäusern ist die Hauskante, wo sich der Eingang befand, dick ausgezogen. Holzgebäude tragen gelbe und gemauerte Gebäude rote Farbe.gif

    Eine weitere Indikationsskizze stellte man um 1870 für die Grundsteuerregelunggif händisch auf Karton her. Der Unterschied zur ursprünglichen Indikationsskizze besteht darin, daß Reambulierungsmessungen mit schwarzer Farbe nachgetragen und Eigentumsgrenzen dick ausgezogen wurden. Die Bonitierung (Einteilung in Güteklassen) erfolgte mit Blaustift und arabischen Ziffern von 1 bis 8. Auf der Rückseite der kartonierten Indikationsskizze befinden sich Datum und Unterschrift der Männer des Schätzungsausschusses.

    Das Deckblatt (auch als Parzellierungs-Croquois bezeichnet) der Indikationsskizze enthält eine Riedübersicht in zeichnerischer Darstellung, wobei die Riede mit lateinischen Großbuchstaben bezeichnet sind. Das Deckblatt enthält auch eine Tabellierung der Riede bezüglich Benennung und fortschreitender Grundstücksnumerierung.

    Die Indikationsskizzen, die 1870 bis 1877 entstanden, liegen im zuständigen Vermessungsamt auf.

  4. Die Rektifikationsmappe ist eine Kopie der Urmappe, die die Finanzämter führten und auf der Änderungen in roter Farbe nachgetragen wurden, ebenso wie Unterteilungen von Grundstücken. Seit dem Evidenzhaltungsgesetzgif werden Grundstücksunterteilungen mit arabischen Ziffern bezeichnet. Die Rektifikationsmappen befinden sich im Katastralmappenarchiv beim Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen in Wien.

  5. Als Fortführungsmappe bezeichnet man eine Katastralmappe, die mindestens einmal seit der Anlegung der Urmappe neu reproduziert worden ist. Sie enthält den jeweils neuesten Stand der Aufnahme und wird deshalb auch Evidenzhaltungsmappe genannt.

  6. Die Grundbuchsmappe ist eine Abzeichnung oder ein Abdruck der Fortführungsmappe und wird vom jeweiligen Vermessungsbeamten im zuständigen Grundbuchsgericht periodisch ergänzt (üblicherweise einmal jährlich), soweit Grundbuchsbeschlüsse allfälligen Änderungen erfordern. Die Grundbuchsgerichte führen sie als Hilfsverzeichnis, obwohl das Grundbuch ohne Katastralmappe sehr wenig Aussagekraft hätte. Die Grundbuchsmappe liegt beim zuständigen Bezirksgericht zur öffentlichen Einsichtnahme auf.

  7. Seit 1820 werden Katastralmappenblätter nicht mehr händisch (zeichnerisch), sondern drucktechnisch vervielfältigt. Diese Drucke heißen Lagerdruck. Anfänglich trug man die roten Grundstücksnummern und die schwarzen Bauflächennummern händisch nach, bei späteren Drucken der Katastralmappen wurden alle Nummern schwarz mitgedruckt, Bauflächennummern bekamen einen Punkt vorgesetzt. Soweit noch vorhanden, sind sie im Katastralmappenarchiv oder im Steiermärkischen Landesarchiv.

  8. Die Feldmappe ist ein Lagerdruck oder eine händische Abzeichnung der Fortführungsmappe, auf Karton aufgezogen und in Quartblätter gefaltet. Sie dient dem Vermessungsbeamten als geometrische Unterlage bei der Feldarbeit und wird wie die Fortführungsmappe auf den neuesten Stand gebracht. Die Feldmappe steht auch den Finanzämtern für den Dienstgebrauch zur Verfügung. Die Feldmappen liegen bei den zuständigen Vermessungsämtern auf und werden auch zur Einsichtnahme im Parteienverkehr verwendet, damit die Fortführungsmappe als Unikat geschont bleibt.

  9. Die Feldskizze entstand bei der Vermessung auf dem Feld. Sie ist maßstäblich gezeichnet (meist mit einem größeren Maßstab als die Katastralmappe) und enthält die Kontrollmaße von Grenzstein zu Grenzstein. Feldskizzen kommen häufig in Katastralgemeinden vor, wo Grundstückszusammenlegungen erfolgten. Sie sind bei den zuständigen Vermessungsämtern archiviert und können dort eingesehen werden.

  10. Spätere Änderungen werden bei den örtlichen Vermessungen auf sogenannten Handrissen und Winkelmanualien festgehalten. Eine exakte Berechnung und Kartierung erfolgt erst bei der Kanzleiarbeit. Handrisse liegen bei den zuständigen Vermessungsämtern chronologisch und nach Katastralgemeinden geordnet auf.

  11. Grundteilungspläne von Zivilingenieuren (Ingenieurkonsulenten für das Vermessungswesen) und Vermessungsbefugten beinhalten einen maßstäblichen geometrischen Plan und einen Flächenausweis mit sämtlichen Vermessungs- und Berechnungsunterlagen, die auf Grund einer Grundstücksteilung in der Natur entstanden sind. Sie befinden sich chronologisch und nach Katastralgemeinden geordnet in den zuständigen Vermessungsämtern. Ebenso ist ein Gleichstück davon in der Urkundensammlung des jeweilig zuständigen Grundbuchgerichtes vorhanden.

  12. Das Grundstücksverzeichnis (früher Parzellenprotokoll) wird für jede Katastralgemeinde getrennt geführt und enthält nach Grundstücksnummern geordnet folgende Daten:
    a)
    Grundstücksnummer
    b)
    Grundbesitzbogennummer (Finanzamt)
    c)
    Einlagezahl (Grundbuch)
    d)
    Mappenblattnummer
    e)
    Kulturgattung (ab 1970 Benützungsart)
    f)
    Fläche in ha, a, m²
    g)
    Reinertrag (heute EMZ = Ertragsmeßzahl)
    h)
    Fortführungshinweise (Veränderungen)
    i)
    Riedbezeichnung (ab 1956 nicht mehr wegen EDV-Umstellung)

    Die Bauflächen tragen eigene Nummern und sind im Anschluß an die Grundstücke ausgewiesen. Es gibt aber auch Katastralgemeinden, in denen Grundstücke und Bauflächen durchlaufend numeriert sind (z. B. Graz). Seit der Umstellung auf EDV ab 1956 ersetzen Kennziffern die Kulturgattung (jetzt Benützungsart). Das Grundstücksverzeichnis liegt beim zuständigen Vermessungsamt auf.

  13. Das Eigentümerverzeichnis enthält alle Grundeigentümer einer Katastralgemeinde in alphabetischer Reihenfolge, angeschlossen ist eine nach Grundbesitzbogen geordnete Zusammenstellung der Eigentümer. Das Eigentümerverzeichnis liegt ebenfalls beim zuständigen Vermessungsamt auf.

  14. Das Häuserverzeichnis wurde für jede Katastralgemeinde bis 1883 geführt. Alte Häuserverzeichnisse, soweit erhalten, erwarb um 1970 das Steiermärkische Landesarchiv.

    Mit großer Genauigkeit führen die Ortsgemeinden diese Häuserverzeichnisse weiter, da sie eine ganz wichtige Unterlage für den Bausektor und ebenso für statistische Zwecke darstellen.

  15. Das Liegenschaftsverzeichnis ist innerhalb jeder Katastralgemeinde nach Grundbuchseinlagezahlen geordnet, wobei neben der Einlagezahl die Nummern sämtlicher Grundstücke und Bauflächen stehen. Es liegt beim zuständigen Vermessungsamt auf.

  16. Für jeden Grundeigentümer in einer Katastralgemeinde gibt es einen Grundbesitzbogen. Er enthält dieselben Daten wie das Grundstücksverzeichnis, sowie den Namen des/der Eigentümer(s) mit Anschrift. Bei Miteigentümern sind die Eigentumsanteile in Bruchform angegeben. Der Grundbesitzbogen ist die wichtigste Unterlage, die der Kataster (das zuständige Vermessungsamt) dem Finanzamt liefert, das danach bis 1938 die Grundsteuer berechnete und seither den Einheitswert berechnet. Der Grundbesitzbogen liegt auch beim zuständigen Vermessungsamt auf.

  17. Der Kulturflächenausweis enthält die statistisch wichtige Zusammenstellung der Kulturgattungen innerhalb einer Katastralgemeinde und wird jährlich von den Vermessungsämtern abgeschlossen, wo er auch aufliegt.

  18. Die Riedübersicht beinhaltet die einzelnen Riede einer Katastralgemeinde, in die diese unterteilt war. Seit Umstellung auf EDV ab 1956 entfielen die Riede, inzwischen scheinen die Riedeinteilungen auf dem Umschlagblatt der Mappenblätter bei jeder Katastralgemeinde wieder auf. Das Operat kann im zuständigen Vermessungsamt eingesehen werden.



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Siegfried Gruber
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Wed Apr 5 16:08:55 MET DST 1995