Technische Entwicklung (1945-1959)


Der Generatorenbau

Die ELIN ging bereit 1947 an die Wiederaustattung ihres Werkes und leitete damit ein Bauprogramm ein, welches die Erzeugung elektrischer Maschinen aller Art bis zu den größten Einheiten ermöglichen sollte.

Der Wasserkraftgeneratorenbau wurde in vollkommener Eigenentwicklung aufgebaut. Die rasch laufenden 2-poligen Turbomaschinen waren vor 1945 auch durch Eigenentwicklung entstanden, wobei aber kaum etwas bei der ELIN bestellt und somit gebaut wurde. Um diese Zukunftssparte rascher auszubauen, wurden später für den Turbobau Lizenzen genommen. Nach dem zweiten Weltkrieg stattete die ELIN, im Zuge des Ausbaues der Wasserkräfte, viele Wasserkraftwerke mit großen, langsam laufenden Vertikal- Wasserkraftgeneratoren aus (Mayr, Notizen, 1).

Wasserkraftgenerator

Hier unterscheidet man 2 Bauarten:

  1. Normalausführungen mit oberem Führungslager: Die ganze Welt baute bis 1945 ausschließlich Maschinen in dieser Bauart. Auch die ELIN hatte schon unter Rosenberg eine kleine Maschine diese Ausführung für Karlowatz geliefert.
  2. Schirmgeneratoren, die nun kein oberes Führungslager mehr besaßen. Das ist eine leichtere wirtschaftliche Bauart, die anfangs sehr umstritten war. Die ELIN war einer der Pioniere für diese Ausführung, die Maschinenlänge und Kraftwerks-Bauhöhe spart. Ab den Generatoren von Ybbs-Persenburg sind die meisten Generatoren der Donaustufen in dieser Bauart ausgeführt (Mayr, Notizen, 2).
Der Bau von Rohrturbinen-Kraftwerken hat den Flußkraftwerksbau ab ca. 1960 vollkommen verändert. Die ELIN ist gerade bei diesen Ausführungsformen bis heute führend. Die Abklärung der Schwingungs- und Resonanzverhältnisse dieser Unterwassermaschinen erfordert sehr große Entwicklungsaufwendungen. Die ELIN entwickelte als erstes Unternehmen das „kalormetrische Meßverfahren“ zur Bestimmung des Wirkungsgrades auf die Anlage, also ohne Aufbau am Prüfstand, was oft nicht möglich war, aber immer sehr teuer ist. Die ELIN war auch einer der ersten Firmen, die den Selbstanlauf von großen Synchron- und Asynchronmotoren unter Garantie ausführte. Der Möllpumpenantrieb der Tauernkraftwerke aus dem Jahr 1960 war der Anfang dieser Entwicklung (Mayr, Notizen, 2).

Kapruner Generator

Einer der bedeutendsten Leistungen, die noch in der Ausbauperiode vollbracht wurde, waren die inzwischen zu Weltruf gelangten 70 MVA-Generatoren für die Hauptstufe der Kraftwerkes Kaprun. Bei diesen Generatoren handelte es sich um Grenzleistungsmaschinen, die bei ihrer Drehzahl von 500 U/min eine erstmalige Ausführung waren. Daneben sind auf dem Gebiet des Großgeneratorenbaues auch noch zahlreiche weitere Maschinen entwickelt und gebaut worden, die mit den oben genannten hinsichtlich ihrer Leistung oder mechanischen und elektrischen Beanspruchung ohne weiters mithalten können.

Der Transformatorenbau

Die Forderungen nach Gewitterfestigkeit und Festigkeit gegen Schaltüberspannungen, Kurzschlußfestigkeit, Messung der Glimmeinsatzspannung und Begrenzung des Geräuschpegels mußten neben der Herabsetzung der Verluste und Einhaltung der Profilgängigkeit erfüllt werden. Zur Einhaltung dieser Forderungen, die den Bau betriebsicherer Transformatoren mit geringem Gewicht und einem Optimum an Wirkungsgrad ermöglichte, ging die Entwicklung folgenden Weg. Der Eisenkern als Träger des magnetischen Kreises erfuhr in den Jahren nach dem Krieg eine entscheidende Veränderung. Man verwendete nun ausschließlich kaltgewalzte, kernorientierte Bleche mit Verlusten im Bereich von 0,5 W/kg und weniger (vorher bei warmgewälzten Blechen 1 W/kg Verlust). Die bevorzugte Magnetisierungsrichtung führte zu konstruktiven Änderungen im Kernbau um Querwege des magnetischen Flusses zu vermeiden. Dies bedingte ein schrittweises Verlassen der herkömmlichen Kernbauweise mit Rundbolzen und den Übergang zum bolzenlosen Kern und bolzenlochlosen Halbrahmenkern (Stockreiter, Transformatorenbau, 113).

Bisamberg
Unterwerk Asten

Von wesentlicher Bedeutung für die Lebensdauer und Betriebssicherheit eines Transformators ist die Isolation der Wicklungen gegeneinander und gegen Erde. Die erhöhte Durchschlagsfestigkeit bei guter Wärmeleitfähigkeit ermöglichte die fast ausschließliche Verwendung von Kabelpapier und Trafoboard als Isolationsträger, der mit Öl getränkt der Dielektrizitätskonstante des Öls näherkommt. Entscheidende Veränderungen brachte die systematische Erforschung des Stoßspannungsverhaltens, da diese zu einem Isolations- und Wicklungsaufbau führte, der den Transformator gewitterfest machte. Durch die Entwicklung materialsparender Kernpreßkonstruktionen und entsprechender Behandlung der Spulen vor dem Wicklungsaufbau erreichte man kurzschlußfeste Ausführungen. Das Geräuschproblem der Transformatoren wurde verringert, indem man durch Umkleidung und Auskleidung des Stirn- und Breitseiten des Kessels mit biegeweichen Blechmänteln das Geräusch dämpfte, und das Abstrahlungsvermögen herabsetzte. Auch bei der Belüftung der Transformatoren kam es zu technischen Verbesserungen (Stockreiter, Transformatoren, 113f.).

Die neuen Prüf- und Meßeinrichtungen in Weiz

Im dem mechanische Abteilung des physikalischen Laboratoriums standen, neben den üblichen Prüfmaschinen für Festigkeitsprüfung metallischer und nichtmetallischer Stoffe, auch die neuesten Geräte für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung zur Verfügung, nämlich Röntgen-, Magnetpulver- und Ultraschall-Geräte. Die an Maschinenteilen auftretenden Spannungen können im Betrieb nach dem Dehnungsmeßstreifenverfahren ermittelt werden. Ein thermisches Laboratorium untersucht das Verhalten von Isoliermaterialien bei höheren Temperaturen und ihrer Alterungsbeständigkeit. Für die immer höheren Anforderungen, die an die Geräuscharmut elektrischer Maschinen gestellt werden, sind Schall- und Schwingungsmeßgeräte und Frequenzanalysator vorhanden, außerdem Einrichtungen für strömungstechnische Messungen. Für sämtliche Eisen- und Nichteisenanalysen stand eine chemisches Laboratorium zur Verfügung, in dem auch die Untersuchung und Prüfung von Isolierölen stattfand (Stockreiter, Transformatorenbau, 107f.).

Hochspannungsprüffeld
Stoßgenerator

Im Hochspannungslaboratorium wurden in erster Linie die folgenden Versuche und Untersuchungen durchgeführt:

Ein eigener mechanischer Meßraum wurde ebenfalls geschaffen, da man bei rotierenden Maschinen, speziell bei Dampfturbinen, nur dann mit einer langen und störungsfreien Lebensdauer rechnen kann, wenn große Genauigkeit und strenge Kontrolle bei der Herstellung herrschen. Mit dem großen Universal-Meßmikroskop wird die Überprüfung aller Lehren und Gewinde laufend durchgeführt (Stockreiter, Transformatorenbau, 108f.).

Der Kleinmotoren- und Maschinenbau

Hier sind vor allem die für den Wiederaufbau der österreichischen Stahlwerke gelieferten Walzwerkseinrichtungen zu nennen:

Im Kleinmotorenbau ist vor allem der neue Leichmetallmotor mit besonders guten Abkühlungsverhältnissen und daher bester Ausnutzung zu nennen. Dieser entsprach den Forderungen nach einem leichten Motor, der so billig wie nur möglich sein sollte, wobei eine weitgehende Unempfindlichkeit gegen äußere Einflüsse am Aufstellungsort und eine gewisse Reserve für übergehende Überlastungen erreicht werden sollte. Um die Fertigungskosten des Motors billig zu gestalten, wurde der einheimische Rohstoff Aluminium im Preßgußverfahren verwendet. Nun bestand die Aufgabe darin, bei geringem Materialaufwand die Verluste so niedrig wie nur möglich zu halten und die im Motor erzeugte Wärme mit dem geringsten Wärmegefälle zur kühlenden Oberfläche zu bringen. All diese technischen Erfordernisse erfüllte schließlich der ELIN-Leichtmetallmotor (Bitter, Kleinmotoren, 85). Auch bei der Entwicklung neuer Schweißumformer und Schweißtransformatoren mit bemerkenswerten Verbesserungen konnte die ELIN große Fortschritte verzeichnen (Gruder, Großmaschinenbau, 62).

Die Wiedererrichtung der Schweißerschule

Schweißerschule

Nachdem die Schweißerschule aus kriegsbedingten Gründen 1942 geschlossen worden war, konnte sie erst im Jahre 1947/48 wieder aufgebaut und mit Schweißerkursen wieder begonnen werden. Die Kurszeit betrug nun 3 Wochen und 120 Kursstunden (früher dauerte der Kurs 14 Tage mit 96 Kursstunden), sodaß die Lehrgänge den von der Schweißtechnischen Zentralanstalt ,Wien, im Einvernehmen mit der Österreichischen Gesellschaft für Schweißtechnik, Wien, herausgegebenen und vom Bundesministerium für Unterricht genehmigten Richtlinien entsprachen. Es wurden damit alle schweißtechnischen Lehranstalten in Österreich auf ein einheitliches Lehrprogramm abgestimmt (Pechar, Schweißerschule, 110f.).