Das Unternehmen vom „Anschluß“ bis zum Ende des zweiten Weltkrieges (1938-1945)

Historischer Überblick

In der Nacht zum 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein, wodurch Österreich als souveräner Staat zu bestehen aufhörte. Der Rest der europäischen Länder, vom Einmarsch überrascht, nahm die Entstehung des „Großdeutschen Reiches“ einfach zur Kenntnis. Mit dem Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 13. April 1938 wurde die österreichische Verfassung außer Kraft gesetzt, und das Land wurde unter die wichtigsten deutschen Gesetze gestellt.

Adolf Hitler

Nach der Besetzung Österreichs wendete sich Hitler seinem nächsten Ziel zu - der Zerschlagung der Tschechoslowakei. Am ersten September 1939 erfolgte der Angriff der Deutschen auf Polen , für dessen Sicherheit Frankreich und England Garantieerklärungen abgegeben hatten. Dadurch entfesselte Hitler schlußendlich den Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Der totale Krieg Hitlers brachte 1945 Deutschland die totale Niederlage. Einer der größten Kriege der Geschichte forderte etwa 55 Millionen Tote, 35 Millionen Verwundete und 3 Millionen Vermißte. In Österreich betrugen die Opfer an Menschenleben 272.000 Kriegstote und Vermißte. 1945 befanden sich über 200.000 Österreicher in Kriegsgefangenschaft (Brusatti, Wirtschaft, 172).

Die Auswirkung auf das Unternehmen

Die Besetzung Österreichs durch das Deutsche Reich bewirkte auch für die Elin große Veränderungen. Österreich stand damit nun ein größerer Wirtschaftsraum zur Verfügung und die Wirtschaft begann auf vollen Touren zu laufen. Noch wußten die meisten nicht, daß der Motor des enormen Aufschwungs die Rüstung für den bevorstehenden Zweiten Weltkriegs war (Gruder, Elin, 13). Nach der "erfolgreichen " Volksabstimmung hielt man sich auch bei der Besetzung der Schlüsselpositionen in der steirischen Industrie nicht länger zurück. Die Vorstände und Verwaltungs- bzw. Aufsichtsräte der staatlich kontrollierten Unternehmen wurden großteils mit NSDAP-Mitgliedern neu besetzt (Karner, Steiermark, 78). Im Zuge der Arisierung wurde die Wiener und die Weizer Direktion vollständig ausgewechselt und das mühsam aufgebaute Exportgeschäft fast völlig vernichtet. Von 1938 bis 1945 kam es zu einem häufigen Wechsel in den obersten Organen der Elin, was eigentlich ein Gegensatz zu bisherigen Firmengeschichte darstelle (Preißel, Elin, 13). 1939 wurde die Elin mit den Schorchwerken in Rheydt fusioniert, und die Firmengesellschaft hieß nun „Elin und Schorchwerke A.G“, was abermals zu Erneunerungen in der Organisation führte, und für die Elin mit vielen Nachteilen verbunden war (Gruder, Elin, 13) .

Zu dieser Zeit übernahm die Nationalsozialisten auch die soziale Kontrolle im Unternehmen. Ein Gebiet, auf dem in dieser Zeit viele Fortschritte gemacht werden konnten, sind die vielfältigen Sozialleistungen, die die Firma nun ihren Arbeitnehmern gewährte. Den außer Zweifel meß- und zählbaren sozialpolitischen Erfolgen (Beseitigung der Arbeitslosigkeit und der damit zusammenhängenden Verarmung weiter Arbeiterschichten, Sozialgesetzgebung, Wohnbau, usw.) auf der einen Seite standen schwere Beeinträchtigungen der Stellung der Arbeiter im NS-Arbeitsrecht auf der anderen Seite gegenüber. Damit kann auch für die Steiermark von einer echten "Ambivalenz" der NS-Sozialpolitik gegenüber der Arbeiterschaft bzw. ihrer sozialen Lage gesprochen werden (Karner, Steiermark, 207). Tatsächlich suchte das NS-Regime sofort nach dem "Anschluß" die Arbeitsmarktsituation zu entschärfen und die zum Teil hochgesteckten Erwartungen in der Arbeiterschaft voll zu rechtfertigen. Die Prioritäten waren auch für die Steiermark klar abgesteckt:

Diese Sozialleistungen umfaßten also nicht nur monetäre Zuwendungen, sondern auch die Sicherung und Verschönerung der Arbeitsplätze sowie gemeinsame sportliche Veranstaltungen und Betriebsausflüge, die wiederum vor allem der sozialen Kontrolle durch die nationalsozialistische Partei dienten. Die Freizeitgestaltung der Fabriksangehörigen übernahm die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, die eine gewisse Kontrollfunktion über die politischen Ausrichtung der Belegschaft ausübte. Sie übernahm auch die Jugend- und Berufserziehung, den Arbeitsschutz und die Gesundheitsfürsorge. Auch die Zwangseingliederung der Betriebsjugend in die Organisationen HJ (Hitler Jugend) und BdM (Bund deutscher Mädchen) bot dem NS Regime eine weitere Kontrollmöglichkeit über die Heranwachsenden, um etwaige „Erziehungsfehler“ der Familie im nationalsozialistischen Sinne zu korrigieren.

Zeitschrift
Gefallene

Die Elin-Schorch-Zeitschrift, die in dieser Zeit als Betriebszeitung herausgegeben wurde, ist dahingehend eine sehr interessante zeitgeschichtliche Quelle und war unter anderem ein Propagandamittel der NS-Führung. Neben der Geschichte des Unternehmens, die in mehreren Folgen mit bewußter Betonung auf den „deutschen Erfindungsgeist“ erzählt wird, findet man hier Berichte und Fotobeilagen über sämtliche Betriebsveranstaltungen. Weiters wurden auch Briefe der als Soldaten dienenden ehemaligen Arbeiter und Angestellten des Unternehmens abgedruckt, die in leuchtenden Farben der Heimat die Schönheit des Krieges und des Kämpfens beschrieben. Auch denjenigen von ihnen, die „auf dem Felde der Ehre“ gefallen waren, wurden einige Seiten gewidmet (Elin-Schorch-Zeitschrift).

Gaudiplom
Das Unternehmen wurde durch seine vielfältigen Leistungen und Aktivitäten mit mehreren Anerkennungen seitens der DAF (Deutsche Arbeiterfront) ausgezeichnent, unter anderem durch zwei Gaudiplome (Unternehmen, ESZ, Kap. IX).
Gaudiplom

Das Unternehmen am Kriegsende

1944 stand noch unter der kriegsbedingten Auslastung des Werkes, und es hatten sich bis dahin noch keine größeren Produktionsstörungen durch die verstärkte Kriegsauswirkungen auf das Hinterland ergeben. Der damalige Vorstand beendete mit Kriegsende abrupt sein Tätigkeit und erstellte für das Geschäftsjahr 1944 keinen Jahresabschluß mehr. Seit April 1945 war dann kein früheres Vorstandsmitglied mehr am Sitz des Unternehmens anwesend. (Geschäftsbericht 1944, 1).Durch die vor Kriegsende verfügte Verlagerungen verschiedener Dienststellen wären angeblich Geschäftsunterlagen abhanden gekommen, sodaß der Jahresabschluß 1944 von dem im Herbst 1946 neu gebildeten Vorstand an Hand der vorhandenen Unterlagen und mühsam rekonstruierten Geschäftsvorgängen aufgestellt wurde, wobei natürlich die Beschaffung der Unterlagen der Zweigniederlassung Rheydt unmöglich war (Geschäftsbericht 1944, 1).

Die Fabrik blieb zwar von Bombenschäden wie durch ein Wunder verschont, doch im März/April stoppte abrupt jede Tätigkeit, als russische Soldaten in Weiz einmarschierten. Die russische Besatzungsmacht ließ bei ihrem Abzug nahezu alle Maschinen in der Fabrik Weiz abmontierten und transportierte diese in Zügen nach Rußland ab. Die Weizer standen also nach dem Abzug der Russen vor leeren Fabrikshalle und begannen mit den umfangreichen und schwierigen Aufbauarbeiten.